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Sonntag, 3. Juni 2012

Tour de France à Berlin


Man beachte Serpil und Nemi xD
Der 3. Juni 2012 war kein gewöhnlicher Tag. Ja gut, es war ein Sonntag. Aber ich meine damit, dass es auch kein gewöhnlicher Sonntag war. An diesem Sonntag fanden das Umweltfestival und die Fahrradsternfahrt statt, wobei JUMA natürlich nicht fehlen darf. Ausgestattet mit T-Shirts, auf denen Hadithe des geliebten Propheten ﷺ bezüglich des Umgangs mit der Natur aufgedruckt waren, machten wir uns auf den Weg quer durch Berlin zusammen mit tausend anderen Radfahrern. An dieser Stelle möchte ich unsere hochgeschätzte Schwester Kausar erwähnen, die aufgrund ihres kaputten Fahrrads nur wenige Meter mit uns radeln konnte. Im Herzen warst du bei uns! 

Die Tour war allerdings auch mit einigen Strapazen belastet, wie z.B. Ein Crash von einer etwas ungeschickteren Schwester, die ich, da ich mein Leben lieb hab, hier lieber namentlich nicht erwähne und einer rausgesprungenen Fahrradkette meinerseits. Irgendwie haben wir es aber letztendlich mit ach und krach auf die Autobahn A100 geschafft und konnten endlich mal Vollgas geben. Beflügelt vom reißenden Wind hoben wir unsere Hände und genossen den Augenblick.

Am Ende der Sternfahrt kamen wir an der Siegessäule an und tatsächlich fühlten wir uns auch so, als hätten wir einen kleinen Sieg errungen. Pff..war doch nur eine kleine Radtour sagt ihr? Mitnichten! Verkrampfte Muskeln und ein wunder Hintern sind meine Zeugen, dass wir hart gekämpft haben.

Der Stand, den wir auf dem Umweltfestival hatten, war sehr gut besucht. Viele Menschen scheinen nicht gewusst zu haben, dass der ausgewogene Umgang mit der Natur im Islam ausdrücklich erwähnt sei. Aber nicht verzagen, JUMA fragen! Die Zuständigen für den Stand konnten jede Frage mit Bravour beantworten und zudem lockte der Duft der frischen Datteln, die wir an unserem Stand verschenkten, immer weitere Personen an.

Fotogalerie

   

Dienstag, 24. April 2012

30 Mosques in 30 Days

Auch für Humor und Spaß soll gesorgt sein

Welcher normale Mensch kommt bitte auf die Idee, jeden einzelnen Tag vom Monat Ramadan in einem anderen Staat zu verbringen und deren jeweilige Moscheegemeinde zu besuchen? Er ist der erste, aber garantiert nicht der letzte, darf ich vorstellen: Aman Ali

Insgesamt betrug die Strecke, die Aman und sein Freund Tariq Bassam zurücklegten, 13.000 Meilen. Für alle, die keine Ahnung haben, was sie mit Meilen anfangen sollen: Es sind satte 20.800 Kilometer!


In Amerika leben 3-4 Millionen Muslime, die genau wie wir im Ramadan ihr Ego an die Leine nehmen und mit Hunger und Durst kämpfen müssen. Aman und Tariq wollten genau dieses Ereignis gemeinsam mit ihren amerikanischen Glaubensbrüdern und –schwestern erleben und vor allem auch überprüfen, ob sich ihre Vorstellung von den Muslimen Amerikas mit der Wahrheit deckt.

Doch Aman ist nicht nur ein abenteuerlustiger Muslim, sondern auch ein Stand-up-Comedian mit außerordentlich viel Talent. Gleich nach dem Vorprogramm der I-Slammer, kam Aman auf die Bühne und hatte binnen kürzester Zeit sämtliche Herzen für sich erobern können. Von einer Sekunde zur anderen lenkte er uns von sehr emotionalen Ereignissen zu lustigen Anekdoten und verfrachtete uns so auf eine wahre Gefühlsachterbahn. Diejenigen, die nach der Show immer noch nicht genug von ihm bekommen haben, konnten anschließend mit ihm abhängen und im Restaurant gemeinsam essen.

Fotos von der Reise

Samstag, 14. April 2012

Exklusivmeldung: Wir Gedenken des Propheten in Multikulti


Der Saal ist rappelvoll, trotzdem hört man keinen Mucks. Während Sheikh Dr. Mahmud Kellner seine Rede über die Strapazen, die Muhammad ﷺ erdulden musste hält und welche immense Standhaftigkeit und Nächstenliebe er trotzdem aufbewahren konnte, kursieren immer und immer dieselben Fragen durch die Köpfe des Publikums: „Wie ist das nur möglich?“, „Was hat ihn so sehr angetrieben?“, „Wie kann ich auch so werden?“.


Am 11.03.2012 veranstalteten das HaDeWe in Zusammenarbeit mit der Ayasofya Moscheegemeinde, dem pakistanischen Kulturverein Minhaj-ul-Quran und der Islamischen Akademie e.V. ein Event, um des Propheten Muhammads ﷺ zu gedenken. HaDeWe sollte man nicht mit KaDeWe verwechseln, denn hierbei handelt es sich um das Haus der Weisheit in Berlin Moabit und nicht um irgendein Kaufhaus.  Neben vielen JUMAnern - beinahe die komplette Blog-Redaktion - waren auch einige Abgeordnete bei der Veranstaltung anwesend.

Arabisch-, türkisch- und pakistanischgeprägte Berliner Moscheegemeinden haben es also endlich mal geschafft ihre Unterschiede in die Tonne zu hauen und Hand in Hand den Ruf der Islamischen Geschwisterlichkeit gerecht zu werden. 
Ich sage: Wir brauchen mehr davon! Die Meisten von uns besuchen ihre Flickenteppich-Moscheegemeinden hier in Berlin und haben leider keine Ahnung was ihre Brüder und Schwestern zwei Häuser weiter in ihrer Gemeinde so treiben. Soll das wirklich so weitergehen? Die Lösung unseres Problems ist eigentlich sehr banal und gilt als Lösung für über 99,575 %* aller Probleme. Es ist die Kommunikation.

JUMA ist vieles und unter anderem auch eine Kommunikationsplattform für Muslime aus allen Ecken Berlins - Perfekt geeignet um die Lage der Muslime hier in unserer neuen Heimat Berlin zu verbessern. Eine ungenutzte Chance, ein Schatz, von dessen Aufenthaltsort man weiß ihn aber trotzdem nicht birgt, gleichsam einer Rose, die...
Und jetzt mal ohne poetischen Firlefanz: Es war ein toller Abend und Insha'allah machen wir häufiger sowas.

*Statistik ohne Gewährleistung





Samstag, 22. Oktober 2011

Auch JUMA BILDet sich

Am 8.10.2011 haben wir zusammen mit Nikoletta und Hakan die BILD-Redaktion besucht und eine Führung bekommen. Anschließend gab es eine Gesprächsrunde mit einem BILD-Redakteur, wobei ordentlich die Fetzen flogen. 

Nach einer Kontrolle, der eines Flughafens würdig war, durfte jeder mit persönlichem Namensschild eintreten. Wir schauten uns zunächst einen Teil der Redaktion an und durften anschließend einem Journalisten bei der Aufbereitung der Artikel des Folgetages über die Schulter schauen.
 
In der Gesprächsrunde mit dem gastgebenden Journalisten sprachen wir über seine Biografie und seine Motivationen für die BILD zu arbeiten. Wir erfuhren, dass er dort das Handwerkszeug eines Journalisten lernt und, dass das Arbeiten bei der BILD allgemein als Sprungbrett für die Karriere genutzt werden kann. Geschrieben werden die Artikel in der BILD kurz und knapp mit viel Skurrilem und viel (mehr oder minder) passendem Bildmaterial. Nur wirklich wichtige Ereignisse kommen ohne irgendeinen skurrilen Zusatz in das Boulevardblatt, wobei auch drauf geachtet wird, eine Ausgewogenheit zwischen Positivem und Negativem herzustellen, weshalb neben traurigen Nachrichten beispielsweise Witze oder Tiere zu sehen sind. Die Quellen sind Nachrichtenagenturen wie die dpa, aber auch sehr schnelle Reporter und Insiderinformationen durch private Kontakte. 
Laut unserem Gastgeber gibt die BILD eine Anregung zum Denken und sei zudem auch meinungsbildend. Persönlich würde er die BILD aber nicht lesen, da sie ihn nicht erfülle. Er würde sie höchstens in Kombination mit einem seriösen Blatt lesen.
Auf die Frage, warum die Thesen Sarrazins unkommentiert erschienen, entgegnete der Redakteur, dass man davon ausgeht, dass der BILD-Leser intelligent genug sei, sich die Meinung richtig zu bilden, und dass im Prinzip nur die Unterhaltung im Vordergrund stand. Er gesteht jedoch ein, dass es nicht unkommentiert hätte publiziert werden sollen, und dass man Sarrazin eine riesige Plattform geliefert habe.
Beim Thema Ausländer, Migranten, Deutsche mit Migrationshintergrund verhaspelte er sich immer wieder und wusste nicht so recht, wie er uns denn selbst sehen und nennen soll. Es fiel ihm schwer unsere Gruppe von jungen Muslimen mit Wurzeln aus allen möglichen Ländern als deutsch anzusehen, obwohl wir uns selbst so sahen und uns in manchen Situationen wesentlich besser artikulieren konnten als er.
Zu der Darstellung von Migranten in der BILD (Nationalität, Religion, Name im Vordergrund) äußerte er sich insofern, dass dies die Fakten seien und er die Nationalität ja nicht einfach ändern könne. Sein Vergleich dazu war, dass die Taten eines Bayers genauso dargestellt würden wie die eines Ausländers.

Alles in allem war der Besuch eher enttäuschend, da wir mit dem Gefühl rausgegangen sind, mit niemandem geredet zu haben, der wirklich Entscheidungsträger ist, sondern eher mit jemandem, der als Kanonenfutter für uns benutzt werden sollte.
Trotzdem haben wir einen interessanten Einblick in die Arbeit einer Boulevardzeitschrift erhalten.

Amir Baczek 

Ein Zeichen setzen für den Frieden

Der 9. September ist ein Datum, das in die Geschichte eingegangen ist und welches wir auch nicht allzu schnell vergessen werden. 

Dieses Datum erweckt sehr viele Assoziation und die meisten sind nicht sehr schön. Wie zum Beispiel die Verbindung zur Religion. Genau aus diesem Grund gab es zum zehnten Jahrestag eine Veranstaltung auf dem Pariser Platz namens „Religionen auf dem Weg zum Frieden“.
Die Veranstaltung begann bei Sonnenaufgang  und endete mit Sonnenuntergang. Die Veranstalter hatten großes Glück, denn es war einfach ein herrliches Wetter an diesem Tag. Die Sonne lachte vom Himmel.  

Juma-Mitglied Merve (links),
Moderatorin der Medien-Gruppe Nikoletta Schulz (mitte),
Vorstand der Sehitlik-Moschee Ender Cetin (rechts)
Es gab ein sehr facettenreiches Programm, wie zum Beispiel einen Gottesdienst oder der Auftritt von Derwisch-Tänzern. Es wurden mitreißende Briefe verlesen und man wurde regelmäßig daran erinnert, was für ein schrecklicher Tag es doch gewesen war. Dennoch blickte man gemeinsam positiv in die Zukunft in der Hoffnung, dass sich so ein schreckliches Ereignis nie wieder ereignen würde. Im Laufe des Tages traten sehr viele verschiedene Personen auf, die sich zu den unterschiedlichsten Religionen zugehörig fühlen, denn alle wollten ein Zeichen setzten und sagen, dass diese Ereignis rein gar nichts mit Religion zu tun hat. Am Nachmittag bildeten die anwesenden Menschen eine riesengroße Friedenstaube. Währenddessen stiegen etliche weiße Tauben in den Himmel. Nach dem Tauben-Spektakel trat die JUGA-Gruppe mit dem Sänger Robert Lee Fardoe und dem Lied „Sweet Coexistence“ auf. JUGA bedeutet „Jung Gläubig Aktiv“. Es ist eine Gruppe aus jungen Leuten unterschiedlicher Religionszugehörigkeit, die sich quasi als siebte JUMA-Gruppe gebildet haben, um sich speziell mit dem Thema 9/11 auseinanderzusetzen. 

Im Endeffekt lässt sich sagen: es war ein sehr schöner Tag und die Organisatoren haben sich große Mühe gegeben, ihn dazu werden zu lassen. Es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung gewesen, um ein Zeichen zu setzen, dass Religionen nichts mit Terror und Gewalt zu tun haben. Hoffen wir auf viele weitere solche Veranstaltungen. 

In der Hoffnung auf eine friedliche Welt verabschiedet sich Yasmin Saf

Gedenkfeier zum 11. September am Brandenburger Tor

Am 11.September 2011 hat am Brandenburger Tor eine Gedenkfeier an die Opfer des World Trade Centers stattgefunden. Neben den Opfern Amerikas wurde ebenso an die Menschen im Irak und in Afghanistan, die in den folgenden Kriegen ihre Leben ließen oder verletzt wurden, gedacht. Unter dem Motto "Religion auf dem Weg zum Frieden" beteiligten sich viele Menschen, darunter auch Vertreter aus allen Weltreligionen.


Es gab eine Podiumsdiskussion zu dem Thema, und weitere interessante Beiträge auf der Bühne folgten. Am frühen Nachmittag wurde aus der anwesenden Menschenmenge eine Friedenstaube gebildet, die anschließend von einer bestimmten Höhe fotografiert wurde. Gegen Ende der Veranstaltung ist das JUGA-Projekt mit dem Song "Sweet CoCo" aufgetreten, der sehr gut beim Publikum ankam, zu merken daran, dass diese eine Zugabe verlangten. Alles in Allem war die Gedenkfeier angenehm, man lernte was dazu und neue Menschen kennen. Vielleicht hat man bei dem einen oder anderen Passanten auch etwas bewirkt.

Kausar El-Hussein, Schülerin

Nahost-Frieden durch Musik?

Am 21. August 2011 waren einige aus der Medien- und aus der Identitygruppe beim Klassikkonzert vom Komponisten Daniel Barenboim dabei. Das Besondere an diesem Orchester, nämlich dem West-Eastern-Divan Orchestra, ist, dass sie nur aus Palästinensern und israelischen Juden besteht! Gut, es ist keine politische Zusammenarbeit. Aber weil jeder Schritt in Richtung Frieden eine Annäherung ist, beehrten wir das Konzert mit unserer Anwesenheit.
Etwas undiplomatischer war dagegen die Uhrzeit des Konzerts. Nämlich genau zum Iftar. So sahen wir uns gezwungen, unsere selbstgemachten Pizzen und andere Leckereien in die Waldbühne hinein zu schmuggeln.

Die Musik war, wie erwartet, sehr schön und wohltuend. Binnen kürzester Zeit hat sie uns ausnahmslos komplett in den Bann gezogen...naja jedenfalls bis zum Iftar. Unsere vorbildlichen Moderatoren blieben standhaft und aßen erst nach dem Konzert. Die Funktion als Vorbild scheiterte. Um Punkt 20:47 Uhr wurde die Musik für die meisten von uns zu schöner Hintergrundmusik degradiert. Wir reichten uns gegenseitig Datteln, Börek, Müsliriegel, Schokobrötchen und ein großes Stück Pide und versuchten diese so leise, wie möglich zu uns zu nehmen. Dies gelang uns nicht. Als jemand - natürlich nicht ich - dann auch noch anfing schmatzend einen Apfel zu essen, ernteten wir einige missbilligende Blicke. Da viele wahrscheinlich nicht wussten, dass wir grad unser Iftar vollzogen, kann man ihnen ihre Blicke nicht übel nehmen.

Auch wenn dieses Iftar kein 5-Sterne-Menü à la Madi-Zelt war, haben wir es aufgrund unserer Geschwisterlichkeit sehr genossen. Es waren außerdem viele Prominente zu Besuch, wie z.B. der Bundespäsident  Christian Wulff und der Außenminister Guido Westerwelle.
Enes Erdoğan

Jörg Lau nimmt sich Die ZEIT für JUMA

Am 28. April 2011 besuchte die JUMA-Mediengruppe den ZEIT-Journalisten Jörg Lau im Hauptstadtbüro. Im Konferenzraum der Redaktion hatten wir eine Aussicht auf die Reichstagskuppel. Wir nahmen am großen Konferenztisch Platz, wo uns Herr Lau türkischen Tee anbot.

Zu Beginn erzählte Herr Lau über sein Leben. Einige von uns konnten sich mit seiner Lebensgeschichte identifizieren, denn er kam aus einer Familie, in der niemand ein Gymnasium besuchte. Er selbst stammt aus einer Art Flüchtlingsfamilie, da sein Vater aus der damaligen DDR in die BRD geflohen ist.
Im Anschluss bekamen wir die Möglichkeit, Fragen an Herrn Lau zu stellen: es begannen lebhafte Diskussionen.
In einer dieser Diskussionen, in der es darum ging, wann die Akzeptanz der Muslime bzw. der Migranten mit muslimischem Hintergrund vollzogen sein wird, verglich Herr Lau die Lage mit den Ostdeutschen, die nach Westdeutschland kamen. Wenn die Migranten sagen: „Wir bleiben hier“ und die Einheimischen: „Ihr gehört hier her“, wäre die Akzeptanz vollzogen. 

Auf die Frage, wo der Journalismus in diesem Prozess stehe, stellte er fest, dass der Journalismus einen Rückschritt durch u.a. die Sarrazin- Debatte erhalten habe.
Zudem ging er auf die Frage ein, was die Aufgabe eines Journalisten sei.  Sie bestehe nicht darin, nur das Positive darzustellen, sondern auch darin, Probleme und Schwierigkeiten aufzuzeigen.  Ein guter Journalist benutzt mehrere Quellen und versucht objektiv zu bleiben, so Lau.
Im Rückblick lässt sich sagen, dass es sehr interessant war, Jörg Lau kennen zu lernen: er war sehr offen und ehrlich. In seinem Fazit zu unserem Gespräch, gab er zu, dass er sehr positiv überrascht war und sich gewünscht hätte, solche Gesprächsrunden schon vor 10 Jahren geführt zu haben.

Nach einem abschließenden Gruppenfoto auf der Dachterrasse, entließen wir Herrn Lau dankbar in seinen wohlverdienten Feierabend.


Yasmin Saf

Mittwoch, 11. Mai 2011

„Aufgeben kommt nicht in Frage…“

Die Projektgruppen „Diskriminirung und Chancengleichheit“ und „Identität“ trafen den renomierten Ethnologen und Wissenschaftler Prof. Dr. Werner Schiffauer.

Der „Islam gehört nicht zu Deutschland“, diese Aussage hat in den letzten Wochen für viel Diskussionsstoff gesorgt, da die Debatten über Integration, insbesondere der Integration von Muslimen in Deutschland sehr einseitig verlaufen. Historisch betrachtet mag Herr Friedrich teilweise Recht haben, allerdings ist seine Aussage nicht zukunftsorientiert.



Identitäsfrage: Zugehörigkeiten verknüpfen ist angesagt!
Dieser Ansicht ist auch Prof. Dr. Schiffauer, der sich am Freitag, den 15. April 2011 mit der Arbeitsgruppe „Diskriminierung und Chancengleichheit“ und der Arbeitsgruppe „Identität“ des JUMA Projekts im Rathaus Schöneberg traf und mit uns über die aktuelle Islam- und Integrationsdebatte sprach, über Identität und Zugehörigkeit und Schwierigkeiten und Chancen für das Leben als Muslim in Deutschland diskutierte.
Schiffauer, der Professor für Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt Oder ist, beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit türkischen Einwanderern und Muslimen in Deutschland.
Ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang ist die Frage nach Identität. Da Identität schwierig zu definieren ist, ist es laut Schiffauer einfacher von Zugehörigkeit zu sprechen. Es gibt doppelte Zugehörigkeiten und die Herausforderung besteht darin diese Zugehörigkeit zusammenzubringen. So ist beispielsweise die Heimat vieler Jugendlicher das Herkunftsland ihrer Eltern, ihr Zuhause jedoch ist Deutschland. Ein Problem entsteht erst, wenn Eindeutigkeit gefordert wird. Diese Forderung erzeugt Druck und kann Konflikte hervorrufen. Vielen von uns ist es aber gelungen, eine Verknüpfung herzustellen.

Mehr Übersetzer braucht das Land
Schiffauer sieht genau in dieser Verknüpfung der Zugehörigkeiten eine Chance. Bei unserem Treffen zieht er den Vergleich zu einer Übersetzung. Eine Übersetzung, so Schiffauer, sei dem Originaltext immer nachgeordnet aber gleichzeitig das Mittel, das den Text erschließt, da er sonst „stumm“ bleibe.
Den Islam in die deutsche Gesellschaft zu übersetzen, ist also die Herausforderung, der wir uns als deutsche  Muslime stellen müssen. Dabei ist es besonders wichtig, sich einzubringen, d.h. nicht nur in der eigenen (muslimischen) Community aktiv zu sein, sondern auch in der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft. Diese Rolle als Übersetzer kann zwar unangenehm sein, bietet aber vor allem die Chance der Selbstreflektion. Schiffauer betont, dass die Haltung des Übersetzers vorwärtsgewandt und zukunftsorientiert sei. Die eigene Kritikfähigkeit würde geschult und Stärken und Schwächen könnten besser realisiert werden.
Eine Gefahr besteht bei der Verknüpfung von Kulturen und mehreren Zugehörigkeiten, dass man in der eigenen Vergangenheit auflebt. Durch die Betonung der eigenen Wurzeln wird zwar das Selbstbewusstsein gestärkt,  allerdings ist diese Orientierung, wie auch die anfänglich erwähnte Aussage des Ministers, rückwärtsgewandt.

Leichter gesagt als getan. Grund zum Aufgeben?
Schiffauer teilte die Sorge der Teilnehmer, dass die gegenwärtige Stimmung der Gesellschaft gegenüber Muslimen problematisch sei und somit auch das „Übersetzen“ sehr schwierig. Die Frage wie die große Chance des Übersetzens, trotz der aktuellen Situation dennoch geschaffen werden könne, schwebte als großes Fragezeichen im Raum. Die Gesprächsatmosphäre und Stimmung im Raum war trotz vieler Sorgen sehr positiv und dynamisch.
Jeder von uns hat sehr viel mitgenommen an diesem Tag. Vor allem, dass Aufgeben nicht in Frage kommt. Selbstbewusstes Engagement steht im Vordergrund, damit wir Aufmerksamkeit und Interesse erzeugen. Wir müssen Identität als Aufgabe begreifen, nicht nur dabei verharren, was wir sind, sondern was wir noch sein möchten und was wir erreichen wollen. Diese Einstellung ist nicht starr und festgefahren, sondern vorwärtsgewandt und unsere Chance für die Zukunft! Die Chance zu zeigen, wie der Islam zu Deutschland gehört.